Kalligraphie
   
 

Kallligraphie: Reflekt des Göttlichen

Calligraphy lessonAls ein Mann names Cangjie das Schreiben erlernte, ließen die Geister einer alten Überlieferung zufolge aus Empörung Hirse vom Himmel regnen.

Vielleicht waren die ersten Anwendungen des chinesischen Systems der Piktrogramme deswegen der Praxis des Wahrsagens vorbehalten. Diese seit langem bestehende Verbindung zwischen den Piktogrammen und den okkulten Kräften der Natur hilft uns, die historische und bis heute andauernde Wichtigkeit, die der Schrift und der Kunst der Kalligraphie vom chinesischen Volk beigemessen werden, zu verstehen.

Der Malerei ebenbürtig, hat die Kunst der Kalligraphie durch die Entwicklung verschiedener Stile und Schulen einen langen Reifungsprozess erfahren. Für gewöhnlich unterscheidet man fünf Schriftarten: die Siegelschrift (zhuanshu), die offizielle oder Kanzleischrift (lishu), die Regelschrift (kaishu), die Grasschrift (caoshu) und die Kurrentschrift (xingshu).

Die Zhuanshu (Siegelschrift) ist die archaischste davon und man sieht sie auf Orakelknochen (die zum Wahrsagen verwendet wurden), die aus den Shang und Zhou Dynastien (14. Jh. - 476 v. Chr.) stammen. Die lange Entstehungsgeschichte hat jedoch dazu geführt, dass die Schriftzeichen von Region zu Region sehr verschieden sind. In der obigen Abbildung sehen Sie zum Beispiel 40 verschiedene Versionen des gleichen glücksverheißenden Zeichens  shou (Langlebigkeit).

Die Lishu (Kanzleischrift) gedieh in der Qin Dynastie (221-207 BC) aus dem Versuch, die Schrift im ganzen Reich zu vereinheitlichen. Diese Schriftart ist auf vielen Steininschriften aus dieser Zeit sehen. Die Kaishu (Regelschrift), deren ältestes existierendes Beispiel kurz nach dem Königreich der Wei (220-265 n. Chr.) datiert,  hat die Lishu vereinfacht. Die Schriftzeichen sind jenen der modernen Formen am ähnlichsten und sind eckig und architektonisch.

Um einen schnelleren, flüssigeren Schreibstil zu ermöglichen, wurde auf Basis der Kaishu (Regelschrift), die Caoshu (Grasschrift) entwickelt. Der endültige Stil, die Xingshu (Kurrentschrift), liegt irgendwo zwischen der Kaishu (Regelschrift) und Caoshu (Grasschrift), da die Pinselstriche zum Teil kontrolliert und gleichmässig zum anderen Teil aber auch frei und fliessend sind . In der heutigen Zeit sind dies die Schriftarten, die am meisten verwendet werden: Meisterkalligraphen vergleichen sie mit einer stehenden Person (Kaishu), einer gehenden (Xingshu) und einer laufenden (Caoshu).

Die Schrift eines Menschen wird als derartig entscheidend angesehen, dass Kinder schon von klein auf in der perfekten Schreibtechnik unterrichtet werden. Man glaubt, dass man den Charakter einer Person und deren Kultiviertheit vom Schreibstil ablesen kann und dass eine schöne Schrift von der vitalen, kreativen Energie des Schreibers beseelt ist. Deswegen werden die Striche in der Kalligraphie oft mit so organischen Ausdrücken wie “Knochen”, “Fleisch”, “Muskel” und “Blut” belegt oder mit solchen aus der Natur, wie “rollende Welle”, “springender Drachen”, “spielerischer Schmetterling oder “Tautropfen, der bereit ist zu fallen”.

 


 

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