Konfuzianismus
   
 

Konfuzius, ein innovativer, erfinderischer Konservativer

In der Einleitung in das Okkulte Universum haben wir das Grundmodell des chinesischen Denkens, so wie es Konfuzius vorfand, erklärt. Sein Beitrag bestand darin, dass er diesem primitiven aber komplexen System moralische Werte einflößte. Denn Konfuzius war ein innovativer Konservativer. Obwohl er alle zeremoniellen Rituale der bestehenden kulturellen Leitbilder beibehielt, fügte er ihnen eine ethische Bedeutung gemäß seiner eigenen Auslegung bei.

Nachdem wir Konfuzius und seine Grundgedanken vorgestellt haben, wollen wir in diesem kurzen Artikel seine Bedeutung in der chinesischen Geschichte erläutern.

Konfuzius

Konfuzius wurde 551 v. Chr. im Staat Lu geboren und seine Familie war zwar vornehmen, aber mittellos. Als junger Mann wurde er Regierungsangestellter und erreichte eine relativ hohe Position, bevor er durch Intrigen vertrieben wurde. Im Alter von 50 Jahren wurde er der erste Privatlehrer in China. Er gewann eine große Anhängerschaft und nach seinem Tode schrieben seine Schüler seine Lehren nieder.

Seine Grundphilosophie

Der Konfuzianismus hat 3 Grundgedanken: (1) die Richtigstellung der Begriffe (2) die Beziehung zwischen Menschlichkeit und Rechtschaffenheit und (3) das Schicksal oder Ming zu kennen.

1) Die Richtigstellung der Begriffe:

Wie im Okkulten Universum erklärt, geht die chinesische Philosophie davon aus, dass jedes Ding einem universellen Prinzip folgt. Konfuzius war fest davon überzeugt, dass auch die Gesellschaft sich an dieses Urgesetz halten solle. Er nannte dieses Prinzip die Richtigstellung der Begriffe. "Lass den Regierenden einen Regierenden sein, den Minister einen Minister, den Vater einen Vater und den Sohn einen Sohn (Analekte XII, 11). Würde jeder Bürger in Übereinstimmung mit den natürlichen Gesetzen, die seinem gesellschaftlichen Status entsprechen handeln, würde immer Harmonie herrschen.

Dieses Konzept wurde vom gemeinen Volk oft als strikte Einhaltung von gesellschaftlicher Etikette und Ritualen missverstanden. Aber wie wir im Anschluss sehen werden, hat dies Konfuzius' Lehren zu sehr pauschalisiert.

2) Menschlichkeit und Rechtschaffenheit:

Obwohl jede gesellschaftliche Stellung einen Anspruch auf Verantwortlichkeit oder Rechtschaffenheit in sich birgt, legt Konfuzius großen Wert darauf, dass dieser Pflicht die Menschlichkeit, die er als "andere lieben" definiert, hingefügt wird (Analekte XII, 22). Diese Werte schließen sowohl das christliche Ideal der Liebe, wie das buddhistische Ideal des Mitgefühls ein. Da Konfuzius Menschen als soziale Lebewesen einstufte, lag für ihn der Schwerpunkt auf den angemessenen Beziehungen. Denn nur in der Interaktion mit anderen konnte man einen tugendhaften Charakter erlangen. "Der Mensch voll Humanität ist jener, der, wenn er sich selbst stärken will, andere stärkt und wenn er sich weiterentwickeln will, anderen bei der Weiterentwicklung hilft, das kann man den Weg zur Menschlichkeit nennen." (VI, 28)

3) Das Ming kennen:

"Ming" bedeutet auf chinesisch Schicksal. "Ming kennen" heißt jedoch nicht, das Schicksal zu kennen. Es ist ein Begriff, den Konfuzius für das Tun ohne Beachtung der daraus entstehenden Resultate schaffte. Die Launenhaftigkeit des Schicksals war ihm bewusst und er predigte, dass Tugendhaftigkeit schon die Belohnung in sich trägt, denn "der Weise ist frei von Zweifel, der Tugendhafte frei von Besorgnis, der Mutige frei von Angst." (IX, 28). Der Konfuzianer sollte handeln, ohne die Auswirkungen dieser Handlungen zu beachten. Das Handeln im eigenen Interesse oder um Profit zu erlangen, war für Konfuzius ein Gräuel (und erklärt, warum die Chinesen bis vor Kurzem noch eine negative Einstellung zum Geschäftemachen hatten). Das Ming zu kennen bedeutet daher, die Ergebnisse seiner Taten dem Schicksal anzuvertrauen, und sich durch etwaige negative Nachwirkungen nicht vom tugendhaften Handeln abhalten zu lassen.

Der Einfluss des Konfuzianismus auf die Chinesische Geschichte

Während der Han Dynastie (200 v. Chr. - 200 n. Chr.) wurde Konfuzius fast wie eine Gottheit verehrt und seine Lehren fanden weite Verbreitung. Da der Konfuzianismus nicht auf einen metaphysischen Aspekt fokussiert, wäre es irreführend, ihn als Religion zu betrachten; er war eine einflussreiche Gesellschaftsphilosophie.

Da Konfuzius eine autokratische, gesellschaftliche Ordnung legitimierte und förderte, haben sich viele Kaiser an die Schüler Konfuzius' zur administrativen Unterstützung der Regierung ihres Reiches gewandt. Aus der Sicht eines Herrschers besteht die Genialität der konfuzianischen Gesellschaft darin, dass sie sich selbst lenkt. Da alle Bürger aufgefordert sind, gemäß eines vorgegebenen Verhaltensmusters zu handeln, braucht man keine juristischen oder polizeilichen Rahmenbedingungen um gesellschaftlich unannehmbare Handlungen zu definieren oder davon abzuschrecken. Eine starke, zentrale Regierung, das Fehlen eines konsequent angewandten gesetzlichen Rahmens und eine negative Haltung dem Handel gegenüber sind die drei chinesischen Binsenweisheiten, deren Geschichte teilweise bis zu Konfuzius zurück verfolgt werden kann.

Der Konfuzianismus hat die Entwicklung des sozialen Gedankenguts in den meisten ostasiatischen Ländern beeinflusst. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass der Schwerpunkt seiner Lehre nicht auf metaphysischen, sondern auf gesellschaftlichen Ideologien liegt. Wenn wir eine chinesische Philosophie mit einer metaphysischen Dimension suchen, sollten wir uns dem Taoismus zuwenden.


 

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