A Girl Of the Mo Ethnic MinorityGeschichte

Die Naxi sind eine von Chinas 56 anerkannten ethnischen Minoritäten, und obwohl sie über Jahrhunderte nur am Rande des Chinesischen Reiches gelebt haben, haben sie viele bemerkenswerte Merkmale ihrer Kultur bewahrt. Es wird gesagt, dass die Naxi von einer Volksgruppe abstammen, die in historischen chinesischen Texten als „Qiang“ bekannt waren, und deren Heimat sich sowohl auf Teile des tibetanischen Plateaus als auch über westliche Teile von Sichuan und Yunnan erstreckte. Die Situation ist kompliziert, da es noch heute eine anerkannte Qiang- Minorität in Sichuan gibt. All dies zeigt, dass der chinesische Versuch, eine kategorische Definition darüber zu erstellen, wer eine ethnische Minorität ist und wer nicht und wo die Grenzen zwischen verschiedenen Volksstämmen gezogen werden können, ein undankbares und zeitweise schrecklich irreführendes Unterfangen ist. In der frühen Geschichte von Naxi-Lijiang wurde es von allen Seiten eingekesselt. Im Süden war „Nanzhao“, ein starker und aggressiv-expansionistischer, nicht-chinesischer Staat, der sich aus einer Kombination der Volksstämme „Bai“ und „Yi“ zusammensetzte. Im Westen lag das florierende tibetanische Reich zu einer der stärksten Zeiten seiner Existenz, und im Nord-Osten war eine andere Gruppe des Volksstammes der „Yi“, die ebenfalls mit Vorliebe ihre Nachbarn überfielen. Während Kontakte mit den eigentlichen Chinesen mal besser und mal schlechter waren, wurde das Gebiet erst im 18. Jahrhundert offiziell ins chinesische Reich eingegliedert. Dies mag einer der Gründe dafür sein, dass einige bemerkenswerte Merkmale der Naxi- Kultur bis zum heutigen Tage unverändert erhalten geblieben sind. Dazu gehören Sprache (insbesondere die ausgefallenen schriftlichen Formen), religiöse Praktiken, die Musik und der Ruf, die Art von Matriarchat zu sein, das dennoch ein Paradies für Männer ist.

Die Sprache der Naxi gehört zur Lolo-Birmanesischen Sprachengruppe, was durchaus Sinn macht, wenn man bedenkt, dass es zwischen China und Tibet liegt. Diese Sprachengruppe ist eine Untergruppe der großen Sino-Tibetanischen Sprachenfamilie, die selbstverständlich Tibetanisch und Chinesisch beinhaltet. Darüber hinaus haben die Naxi auch ihre eigene Schriftsprache, die ca. 1500 Piktogramme umfasst. Wie die chinesische Sprache, wird sie ebenfalls traditionell von oben nach unten, aber im Gegensatz zur chinesischen Sprache, von links nach rechts geschrieben. Es ist unbekannt, wann die Schrift erstmalig verwendet wurde, aber Schätzungen zufolge könnte das bis zu 1000 Jahre zurückliegen. Die Sprache limitiert sich nicht nur, wie man meinen könnte, auf landwirtschaftlichen und gewerblichen Gebrauch, sondern war lange ein wesentlicher Bestandteil religiöser Zeremonien, die vom „Dongba“ (oder einheimischem Priester) vollzogen wurden. Daher wird sie auch „Dongba Schrift“ genannt, obwohl es auch eine neuere abgeänderte Form, nämlich die „Geba Schrift“ gibt, die eher eine Silbenschrift als eine Ansammlung von Piktogrammen ist und außerdem chinesische Elemente enthält.

Shamanistic RitualsReligion

Die Religion in diesem Gebiet ist eine komplizierte Angelegenheit. Wie von einer Kultur, die an so viele andere angrenzt, zu erwarten ist, gibt es nicht einen bestimmten Glauben oder einen Glauben, der andere ausschließt. Vielen Glaubensformen unterliegt ein ursprünglicher Animismus, und darüber hinaus gibt es Formen von Buddhismus, Taoismus, tibetanischer Bön- Religion, und in neuerer Zeit auch des Christentums.

Ein Großteil der Menschen ist mit der so genannten „Dongba- Religion“ verbunden, (die wiederum nach den Priestern benannt wurde). Die Kultur-Anthropologin Emily Chao liefert eine prägnante Beschreibung dieser und einer anderen verwandten Form von traditionellen religiösen Riten der Naxi:

Die Naxi hatten zwei verschiedene Arten von Glaubensvermittlern, die oft „Schamanen“ genannt wurden: den „Dongba“, oft mit „Priester“ übersetzt, und den „Sanba“, übersetzt mit „Schamane“. Die Dongbas unterschieden sich von den Sanbas, indem sie sich ihre Fähigkeiten durch eine Ausbildung aneigneten, die das Lernen von Piktogramm-Texten beinhaltete, welche in strukturierten Ritualen angewendet wurden. Dongbas erbten für gewöhnlich ihr Metier und waren immer männlichen Geschlechts. Die Rolle der Sanba, die sowohl Männern als auch Frauen zugänglich war, war nicht erlernt oder gewählt, sondern war das Resultat einer traumatischen Krankheit, während der sich ein Kommunikationstunnel mit Geistern oder Gott eröffnete. Neben der Ausübung von Läuterung der Seele und Versöhnung mit den Göttern folgten die Sanbas in ihren Ritualen keinen geregelten oder vorhersehbaren Abläufen. Weder die Rolle des Dongbas noch die des Sanbas war prestigeträchtig, und sie wurden häufig von armen Bauern angenommen, die dadurch hofften, ihren Lebensunterhalt aufzubessern.

Schamanen dieser Gegend trugen traditionell Stoffturbane, hantierten mit Schwertern oder schlugen Trommeln und rezitierten währenddessen schamanische Rituale in leisem Singsang.

Im Gegensatz zur Religion ist die Musik sehr unkompliziert.

Musik

Sie werden unter den Naxi so schnell niemanden finden, der nicht gerne singt oder tanzt. Seit den 80iger Jahren wurde die traditionelle Naxi Musik mehr und mehr als Kunstform angesehen, die es wert war, kultiviert und erhalten zu werden. Die verhältnismäßig entspannte politische Situation der 80iger Jahre ermöglichte die Wiederaufnahme von kulturellen Praktiken der ethnischen Minoritäten, die zuvor entweder verpönt waren, als rückständig und abergläubisch abgelehnt wurden oder aber gänzlich verboten waren. In dieser Zeit begann das berühmte Naxi Orchester zunächst vor Ort zu spielen. Einheimische und ausländische Touristen, die seinerzeit das Gebiet bereisten, waren wie verzaubert, besonders da das Orchester bewusst keinerlei Anstrengungen machte, die Musik zu modernisieren. Und so erlangte das Orchester landesweit Anerkennung. Dieser Ruhm verbreitete sich, und als sie 1995 ihre erste Auslands- Konzerttour machten, wurden sie von Kritikern bejubelt. Das Orchester besteht aus Schlaginstrumenten, Lauten, Flöten und anderen Blasinstrumenten. Obwohl ein Großteil der Musik mehrere Jahrhunderte zuvor von den Chinesen ausgeborgt worden war, haben die Naxi sie sich zueigen gemacht und  ihre eigenen Musikinstrumente sowie musikalischen Stilelemente integriert.

Matriarchat

Zuguterletzt ein Wort über die Geschlechter. Die Männer der Naxi sind für ihre Faulheit bekannt. Man sagt von ihnen, dass sie nur drei Ambitionen haben:

  1. Ein Haus zu bauen
  2. Zu heiraten und einen Sohn zu bekommen
  3. Sich in der Sonne zu aalen

Wenn sie nicht anderweitig beschäftigt sind, vertreiben sie sich gerne die Zeit, indem sie jagen, Vögel züchten, Naxi Musik spielen oder Kalligraphie praktizieren. Diese Aktivitäten stellen eine klare Mischung aus traditionellen Interessen (Jagd) und chinesischen Einflüssen (Kalligraphie, oder der Anspruch ein Gelehrter zu sein) dar. Die Naxi- Männer benutzen Falken zur Jagd und stellten früher gerne ihre Jagdfalken auf den Brücken zur Schau, während sie den Frauen hinterher schauten. Trotz ihres viel gepriesenen Rufs als matriarchalische Gesellschaft, entspricht dies nicht ganz der Wahrheit. Im Allgemeinen dürfen kleine Jungen so ungezogen sein wie sie nur mögen, während kleine Mädchen ihren Müttern mit der Hausarbeit helfen, sobald sie dazu in der Lage sind. Zudem gehen Mädchen mit der Eheschließung aus dem Hause, und die verwandtschaftlichen Verhältnisse beziehen sich stets auf die väterliche Linie, was das ganze Sozialgebäude als eine sehr männerfreundliche (wenn nicht ganz und gar von Männern erdachte) Form des Matriarchats erscheinen lässt. Die Assoziation der Naxi mit dem Matriarchat scheint aus einer bedauerlichen Verwechslung mit einer anderen, sehr eng verwandten, Völkergruppe, die in China als „Mosuo“ bekannt ist, zu stammen. Diese folgen in der Erbfolge in der Tat der mütterlichen Linie. Die Mosuo, die im Nord-Westen von Lijiang leben, werden von den chinesischen Autoritäten als zum Volk der Naxi gehörend eingestuft, eine Kategorisierung, der die Naxi für gewöhnlich energisch widersprechen.

Ein kleines Stück Geschichte: Schauen sie bei älteren Männern an der rechten Hand nach einem fehlenden Zeigefinger. Scheinbar deutet dies darauf hin, dass jene Männer in den späten 30iger und frühen 40iger Jahren nicht von den Kuomintang zum Kampf gegen die Japaner verpflichtet werden wollten. Der Kampf gegen die Japaner war ein weiteres interessantes Kapitel in der lange währenden Geschichte der Route, die Lijiang mit Tibet verband, einer Route, die als südlicher Ausläufer der Tee- und Pferderoute bekannt wurde.

   
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