The A-list
   
 

von Hilary Stafford-Clark

"Travel + Leisure" cover, September 2004 Sobald man in China ankommt, wird es offensichtlich, dass sich hier höchstens ein äußerst unerschrockener Abenteurer ohne Reisebegleitung zurecht finden kann. Es gibt in diesem Land, wo 5000 Jahre Geschichte mit dem 21. Jahrhundert zusammenprallen, so viel zu sehen und aufzunehmen. Reiseführer, besonders die über Schanghai sind vorwiegend veraltet, nur wenige Leute sprechen englisch und außer in den Großstädten sind die Beschriftungen alle in chinesischen Zeichen. Imperial Tours, mit Sitz in Peking und von Guy Rubin und seiner Frau Nancy geleitet, hat sich auf Luxustouren für Gruppen und individual Reisende spezialisiert. Sie haben sich 1997 an der Beijing University kennengelernt und nachdem sie zwei Jahre lang als kostenlose Reiseleiter für Freunde und Bekannte gedient hatten, beschlossen sie, ihr Wissen und ihre Kenntnisse umzusetzen.

Unsere 4-Städte-Tour - Peking, Xi'an, Guilin und Schanghai war nahtlos geplant. Wie durch Magie waren wir immer zur rechten Zeit am rechten Ort und wurden immer von einheimischen Experten begleitet. Unser Ausflug zur Großen Mauer war ein spektakulärer Erfolg. Wir hatten einen ganzen, sich drachenförmig windenden Abschnitt für uns alleine, der sich über die dunstigen Hügel von Horizont zu Horizont erstreckt, und das Mittagessen wurde uns auf gestärkter, weißer Tischwäsche in einem der großen Wachtürme serviert. Zwei Tage später, nach einem Flug nach Xi'an und einer Nacht im Sheraton und während die japanischen Touristenscharen immer noch im Bett lagen, hatten wir eine Privatführung zu einem der anderen Wunder der östlichen Welt: die Terrakotta Krieger.

Nach einem kurzen Flug in Richtung Süden befinden wir uns in Yangshuo, das zu Recht paradiesisch genannt wird und sich ausserhalb von Guilin inmitten üppiger grüner Hügel befindet, die wie Zähne in den Himmel stechen. Hier treiben wir auf einem Bambusfloß an den Komoran-Fischern vorbei und sehen den glatten, graubraunen Wasserbüffeln beim Trinken zam Flussufer zu.

Während unserer kurzen Zeit in China haben wir erstaunliche acht Mittagessen und neun Abendessen konsumiert. Da gab es ein 10-gängiges Bankett im China Club in Peking, einem Palast aus dem 17. Jahrhundert, der vor 45 Jahren in ein Restaurant umgewandelt wurde und nun dem Unternehmer David Tang gehoert. Nach einer Vorstellung der rotgekleideten, Rad schlagenden, Metall brechenden Shaolin-Mönche (eine der kleinen Imperial Tours-Überraschungen), wurden wir in das mit Laternen beleuchtete Innere geleitet und eine Haifischflossensuppe mit Papaya und Peking Ente wurden uns von der gleichen Kellnerin serviert, die schon Deng Xiao Ping, Mao's Nachfolger, bedient hatte. Dann gab es noch den herrlichen nahezu anarchistischen Aufenthalt im Green T House in Peking, wo der etwa zehn Meter lange Tisch von unseren 3 Meter hohen Stuehlen umrundet wurde, was geradezu einen virtuellen Kaefig darstellt und es dem Personal schwer machte, uns zu bedienen. Schmackhafte, langsam gebratene Lammkeulen sind die Spezialität von einem der angesagtesten Restaurants in Schanghai, das M on the Bund, dessen Terrasse ueber den Lichtern des Flussufers schwebt, gleich neben dem renovierten Jugendstilgebaeude, in dem Armani vor kurzem einen Laden eröffnet hat.

Über all dies herrschen unangefochten an erster Stelle, die pagoda-ähnlichen Zinnen des Jin Mao Towers. Und nach drei Naechten in Zimmer 6017 und obwohl ich die Gardinen noch nie geoeffnet habe, zittern meine Knie nicht mehr, wenn der Aufzug mich mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit von 1,3 Stockwerken pro Sekunde hierher bringt. Nach ein paar Gläschen Champagner, mit dem Rücken zum Fenster, schaffte ich sogar an einem Bankett im 88. Stockwerk teilzunehmen. Und ich bin ganz alle in einem palastwürdigen Swimmingpool im 57. Stockwerk geschwommen. An meinem letzten Morgen beschließe ich, dass es endlich Zeit ist, die Vorhaenge zu öffnen. Ich schiebe sie zur Seite, lehne mich im Polstersessel zurück und genieße die atemberaubende Aussicht.

©Januar 23, 2005 The Sunday Times Magazine

 

 

 

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