Chinese Garden
   
 

The Design and Purpose of a Chinese Garden

Die Chinesen betrachten Gärten als ernstzunehmende Kunstform und wie auch bei Malerei, Poesie und Skulptur beabsichtigen sie in deren Gestaltung Ausgewogenheit, Harmonie, Verhältnismäßigkeit und Mannigfaltigkeit darzustellen, die allesamt als wesentlich und unverzichtbar gelten. Es gibt einen Spruch der besagt „der Garten ist eine künstlerische Wiedergabe der Natur, eine dreidimensionale Landschaftsmalerei“. Der Gestalter suchte mittels einer Kombination von natürlichen Elementen wie Felsen, Wasser und Blumen und künstlichen Elementen wie Architektur, Malerei und Poesie eine Wirkung hervorzurufen, die den daoistischen Prinzipien von Ausgeglichenheit und Ausgewogenheit, von Mensch und Natur entsprach.

Der chinesische Garten ist in drei Kategorien unterteilt: der kaiserliche Garten, der Privatgarten und die reizvollen Naturlandschaften. Die älteste kaiserliche Gartenanlage stammt aus der Shang Dynastie (ca. 1600- 1027 v. Chr.) und wurde als kaiserliches Jagdgebiet angelegt. Als nächstes kommt der Shanglin-Garten, der vom Kaiser Qinshihuangdi in der Hauptstadt Xianyang angelegt wurde. Letzterer wurde vom Han Kaiser Wudi (140-87 v. Chr.) vollendet und man glaubt, dass er als Basis für die Gestaltung des Sommerpalastes diente. Der erste private Garten, der auch als Literati-Garten bekannt ist, tauchte während der nördlichen und südlichen Dynastien 420-589) auf. Das kaiserlichen Haus und die Adeligen nutzten reizvolle Landschaften mit großangelegten Gärten, denen vorhandene Berge, Täler, Seen usw. als Hintergrund dienten, als Tummelplatz.

Von den drei chinesischen Gartenkategorien sind beim Besuch der „Gartenstadt“ Suzhou die Privatgärten am interessantesten. Sie sind die idyllischsten der Gruppe und wurden als Rückzugstätte für Gelehrte geschaffen, die dem Chaos der Stadt entrinnen wollten. Die Hochblüte der Literati-Gärten war während der Tang-Dynastie (618-907), und im Jahre 634 verfasste der Maler Ji Cheng sogar eine Abhandlung über Gartengestaltung. Eines der markanten Punkte dieser Erörterung ist die Notwendigkeit, den Garten „obwohl von Menschen geschaffen, natürlich aussehen zu lassen“. Des weiteren wurde die harmonische Kombination von Gegensätzen unterstrichen, Kleinem und Großem, Geoffenbartem und Verborgenem, Echtem und Unechtem, Waagrechtem und Senkrechtem.

Ein üblicher Bestandteil der chinesischen Gartenarchitektur ist der Wasserpavillon, eine Abwandlung eines alten Holzhauses auf Stelzen. Später wurde es Mode, Wasserpavillone so auf einem See oder Teich im Garten zu bauen, dass sich die Hälfte des Bauwerks an Land und die andere Hälfte auf Stelzen im Wasser befand. Um das Betrachten des Gartens von allen Seiten des Gebäudes aus zu ermöglichen wurden am Mauerrand dekorative Fenster eingefügt. Diese Art von Wasserpavillon kann im Garten des Bescheidenen Verwaltungsbeamten besichtigt werden.

Weitere Schlüsselelemente chinesischer Gärten sind deren überdachte Gänge, die gebaut wurden um den Besitzern zu erlauben, den Garten auch bei Regen und Schnee zu genießen. Es gibt zwei Arten dieser bedeckten Gehwege: eine der Kategorien verbindet Gebäude miteinander, und die andere wurde entlang des Ufers eines Sees oder Teiches gebaut. Wie auch die Wasserpavillone, haben diese Korridore oft Fenster oder „Öffnungen für die Naturschönheiten“, die als Bilderrahmen dienen, welche die Augen in die Richtung einer bestimmten Gartenansicht lenken. Diese Öffnungen sind entweder einfach kreisförmig, rechteckig oder oval oder haben eine fantasievollere Form, wie z.B. ein Lotus– oder Beerenblatt oder eine Girlande.

Die auserlesensten Elemente eines chinesischen Gartens findet man oftmals in den Details. Das ist der Fall bei Fußstapfen, die fantasiereich mit farbigen Kieseln in vielfältige Bodenmuster gelegt wurden. Ein gebräuchliches Motiv ist ein Rechteck in einem Kreis, welches die frühere Überzeugung „der Himmel ist rund und die Erde rechteckig“ widerspiegelt. Oftmals findet man auch Glückszeichen. Während Fledermaus und Kranich Glück und langes Leben bedeuten, weisen Fischernetze auf Wohlstand hin. Hinzu kommen häufig Beschreibungen wohlbekannter traditioneller Malereien und Legenden.

Der Garten des Meisters des Netzes ist einer der kleinsten Gärten in Suzhou, jedoch gilt er als einer der Edelsten. Er wurde im zwölften Jahrhundert errichtet und, nachdem er für einige Zeit aufgegeben wurde, im achtzehnten Jahrhundert wieder instand gesetzt. Er diente einem pensioniertem Regierungsbeamten als Wohnsitz. Im östlichen Teil des Grundstückes befand sich das Wohnhaus, im mittleren war der Hauptgarten und im westlichen Teil der Innengarten.
Der Garten des Bescheidenen Verwaltungsbeamten wurde nach einem Gedicht aus der Jin-Dynastie (1115-1234) benannt, das lautet „Den Garten zu gießen und Gemüse zu verkaufen ist das Geschäft eines bescheidenen Verwaltungsbeamten“. Ursprünglich war er der Wohnsitz eines Poeten aus der Tang-Zeit, Lu Guimou. In der Ming-Dynastie bekam der Garten dann seine aktuelle Form und es ist vielleicht einer der Gärten, der die Gartenbaukunst der Ming-Dynastie am deutlichsten repräsentiert.


 

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