Das tibetische Klosterleben
   
 

Leben und Erziehung in einem tibetischen Kloster der Gelugpa Sekte

Airing of the Buddha at Drepung Monastery Jede tibetische Familie setzte alles daran, sich die Ehre leisten zu können, dass eines ihrer Familienmitglieder in ein Kloster aufgenommen werden könnte . Das was kein kleines Opfer, denn die Lebenserhaltungskosten des Mönches mussten von seiner Familie getragen werden. Um einen Eindruck von der Beliebtheit dieser religiösen Mission zu bekommen, muss man wissen, dass am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ungefähr ein Fünftel aller tibetischen Männer Mönche waren. Nonnenkloster existieren zwar, haben aber nie derartige Proportionen erreicht.

Wenn ein sechs oder siebenjähriger kleiner Junge ins Kloster geschickt wurde, war es nicht sicher, dass er als Gelehrter ausgebildet wurde. Seinen Talenten entsprechend konnte aus dem jungen Eingeweihten ein Soldat, ein Koch oder ein Angestellter bei der Klosterverwaltung werden. Nur die intellektuelle und geistige Elite hatte das Privileg, an der fünfundzwanzigjährigen Unterweisung, die der Prüfung zum Geshe vorangehen, teilnehmen zu können.

Tagesablauf

Der klösterliche Tagesablauf beginnt um fünf Uhr morgens mit dem Treffen aller  Mönche in der Gebetshalle zum Rezitieren der Morgengebete. Zwei Stunden später gehen sie in ihre jeweiligen Gebäude zurück und nehmen dort ihr Frühstück ein, das sich aus tibetischem Brot und Tee mit Yakbutter (einer Mischung aus schwarzem Tee, Yakbutter, Yakmilch und Salz) zusammensetzt. Der restliche Vormittag ist bis zum Mittagessen um halb eins dem klösterlichen Studium gewidmet. Am Nachmittag haben die Mönche Einzelunterricht, der in ihren Wohngebäuden stattfindet. Die abendliche Reissuppe wird um sechs Uhr serviert, anschließend werden bis neun Uhr buddhistische Schriften unterrichtet. Die fortgeschritteneren Mönche nehmen stattdessen an philosophischen Debatten teil.

Grundschulausbildung

Nach der Vermittlung der Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen wird der Unterricht zunehmend komplexer und Erklärungen über die Grundlagen der buddhistischen Lehre und der Sutren, sowie verschiedene Rezitationstechniken werden instruiert. Die Arbeit der Schüler wird benotet und diese Unterweisungen werden fortgesetzt, bis die Schüler das Alter von sechszehn oder achtzehn Jahren erreicht haben.

Sobald man annimmt, dass der Student dafür bereit ist, nimmt er an den Debatten teil, die eine wichtige Disziplin darstellen. Die Mönche werden in kleine Gruppen eingeteilt, die von erfahreren Mönchen überwacht werden und jeder Einzelne stellt Fragen und debattiert über verschiedene Themen. Die Fähigkeit des Debattierens wird als Instrument zur Schärfung des Verstandes sehr hoch geschätzt und bereitet die Mönche darauf vor, zukünftigen Schülern antworten zu können.

Sobald der Mönch seine Beherrschung von Rhetorik und Debatte bewiesen hat, muss er Logik-Prüfungen ablegen. Wenn er diese Prüfungen erfolgreich abgeschlossen hat, ist er für ein anspruchsvolleres Studium bereit.

Haupstudium

Das Hauptstudim ist in sechs Elemente gegliedert:

  1. Die Perfektionierung der Weisheit (Prajnyaparramita)
    Dieser Unterweisung liegt das “Juwel der Verwirklichung” zu Grunde, ein Text aus dem vierten Jahrhundert. Der Student verbringt sechs Jahre mit der Erörterung der Natur des Nirvana, der Ebenen der tiefen Meditation und dem Wunsch nach Erleuchtung

  2. Der Pfad der Mitte (Madhyamika)
    Vier Jahre lang wird nun eine Textreihe, die vom dritten bis zum siebten Jahrhundert reicht, vorgenommen und der Student dringt tiefer in die Analyse der Beschaffenheit der Leere und der vergänglichen Eigenschaften der Emotionen, wie zum Beispiel Freude, Krankheit und Eifersucht ein.

  3. Das Große Wissen (Abhidharma)
    350 v. Chr. von Meister Vasubandhu geschrieben, ist “das Haus des Schatzes des Großen Wissens” ein Text, der die Studenten dazu bringt, die Rolle und die Schaffung des Karma, die Natur des Bardo – der Zustand zwischen Tod und Wiedergeburt -, die Elemente, welche Zeit und Raum konstituieren und die Zerstörung der Welt zu hinterfragen. Für diese Themen braucht man zwei Jahre.

  4. Das Moralgelübde (Vinaya)
    Zum Begreifen der Natur der klösterlichen Gelübde, deren Vorteile und den Verlust der Freiheit, die sie mit sich bringen, sind zwei Jahre nötig.

  5. Die buddhistische Logik (Pramana)
    Dieses Thema wird während der fünfzehn Jahre des Aufbaustudiums in Intervallen behandelt. Die logische Argumentation als solche und die Gültigkeit vieler Thesen, auf welchen der buddhistische Glauben beruht, wird analysiert.

  6. Der Pfad zur Buddhaschaft (Lam Rim)
    Dieser Text aus dem fünfzehnten Jahrhundert, der vom Gründer der Gelugpa-Sekte geschrieben wurde, bereitet den Studenten auf die ritualisierte Meditation vor, derer er sich auf dem Weg der zur Erleuchtung führt, bedienen soll.

Nach Abschluss dieses Studiums, wird der Mönch als mittlerer Geshe-Gelehrter  bezeichnet. Weitere sieben Jahre Studium des Textes und die darauffolgende bestandene Prüfung machen ihn zum hochausgebildeten Geshe-Gelehrten. Zu diesem Zeitpunkt hat er ein zweiunddreißigjähriges Studium hinter sich.

© Imperial Tours May 2003

 

 

Kurhessenstr.59,D 63075 Offenbach, Tel:+ 49 69 86 42 59,Fax: + 49 69 86 42 74, Mobile:+ 49 171 8024688, EMAIL